Man lernt nie aus

Wer in den nächsten Jahren eine Einladung zu einem 25-, 30-, oder gar 40-jährigen Firmenjubiläum eines Mitarbeiters oder Kollegen erhält, sollte unbedingt hingehen. So zumindest die Auffassung der Journalistin und Autorin Johanna Zugmann. Der Grund: Solche Veranstaltungen sind sicher bald Geschichte. In vielen Unternehmen ist die Normalerwerbsbiografie schon längst Vergangenheit und Zukunftsforscher prognostizieren neue Standards für Karrieren. Demnach werden Arbeitnehmer in Zukunft fünfmal ihren Beruf und 22-mal den Job wechseln. Deshalb ist die Frage, welche Perspektiven uns in den nächsten Jahren auf den Arbeitsmärkten erwarten auch aktueller denn je.

Nicht erst die Pandemie hat gezeigt, dass zu einem der wichtigsten Trends zweifellos die Frage der Bildung und Weiterbildung in den Unternehmen gehört. Denn das Tempo der Entwicklungen verwandelt Unternehmen und die Menschen, die in ihnen arbeiten, rasant.

Egal ob es sich um den wachsende Einsatz von Robotern und Datenbrillen, selbststeuernden Systemen (Internet of Things) oder um andere innovative Technologien handelt, die Entwicklungszyklen werden immer kürzer und der Druck auf die, die damit umgehen müssen immer größer.

Einige Jobs fallen weg und viele Tätigkeiten erfordern andere Fähigkeiten als bisher. Berufsbilder und Anforderungsprofile verändern sich. Und nicht jeder Arbeitnehmer ist automatisch in der Lage eine neue Maschine oder ein innovatives System zu bedienen. Viele sind für diese neuen Anforderungsprofile nicht ausgebildet und haben deshalb mehr oder weniger Schulungsbedarf.

„Man lernt nie aus.“

Selten war dieser Satz, den man oft so leicht dahin sagt, so wahr wie heute. Und für die Bitkom-Bildungsexpertin Juliane Petrich sogar eine Selbstverständlichkeit. „Weiterbildung ist in Zeiten der Digitalisierung nicht die Kür, sondern ein Pflicht.“ Und räumt aber gleichzeitig ein, dass es sich dabei aber nicht nur um eine Bringschuld der Unternehmen handele, sondern „in Sachen Digitales“ auch eine Aufgabe der Mitarbeiter sei, Weiterbildung einzufordern, und diesen Bedarf regelmäßig zu überprüfen. Klingt hier plausibel, wird aber vielerorts immer noch heftig diskutiert, wie ein Bitkom Studie anschaulich zeigt. Aber ungeachtet dieser Tatsache scheitert so manch eine Maßnahme häufig schon an ganz anderen Hindernissen.

Oder wie wäre wohl mit einem Arbeitnehmer zu verfahren, der z. B. an einer notwendigen Schulung teilgenommen hat, diese aber aus nicht nachvollziehbaren Gründen fruchtlos geblieben ist und er deshalb das neu eingeführte System nicht sachgemäß bedienen kann? Oder ein Mitarbeiter, der immer noch Briefe statt Emails schreibt, bzw. keine Kenntnis von den unternehmensinternen Informationen erhält, weil er das Internet immer noch der „dunklen Seite der Macht“ zuordnet. Zugegeben ein seltenerer Fall, kommt aber vereinzelt vor. Nicht selten mit gravierenden Folgen.

Denn grundsätzlich steht es dem Arbeitgeber frei, die Arbeitsmethoden und die für die Erledigung einzusetzenden technischen Mittel vorzugeben.

Solche Anweisungen sind allerdings nur dann rechtmäßig, wenn der Arbeitnehmer ihnen auch Folge leisten kann. Das bedeutet, dass er auch die Möglichkeit haben muss, sich umfassend in den neuen Arbeitsmethoden und Systemen schulen zu lassen. Fehlt es daran, ist die Weisung rechtswidrig; sie zu missachten, stellt keine Verletzung arbeitsvertraglicher Verpflichtungen dar.

Ist die Weisung nicht zu beanstanden und kommt ihr der Arbeitnehmer aber nicht nach, kann er abgemahnt werden. Bleibt danach auch jede weitere Fortbildung erfolglos, kann der Arbeitgeber kündigen.

Und ganz klar sollte zu einer arbeitsnotwendigen Schulung auch eine Erfolgskontrolle gehören, die überprüft, ob der Arbeitnehmer von dem Gelernten praktisch auch Gebrauch machen kann. Denn anderenfalls könnte er eine Nachschulung verlangen. Wobei viele Arbeitgeber bei hartnäckigen Fällen meistens schon aus Eigeninteresse für die nötige Nachqualifierzung zu sorgen. Oder sie beenden das Arbeitsverhältnis!

Was wiederum die Frage aufwirft, was in Zukunft mit all denjenigen geschieht, deren Fähigkeiten im beruflichen Alltag nicht mehr ausreichen? Die auf der Strecke bleiben, weil sie für die Arbeitswelt uninteressant geworden sind und keinen Output mehr generieren? Die „Loser, für die Digitalisierung nicht historischen Fortschritt, sondern Zerstörung bedeutet. Ein doch nicht ganz so unwichtiger Gedanke – mitten in der „Coronadauerwelle“, oder?

Photo: kalh on pixabay

Ein Kommentar zu „Man lernt nie aus

  1. Liebe Brigitte, vergiss bitte nicht die Auswirkung der Schulausbildung: Kinder werden während der Prägungsjahre an die pädagogische Diktatur gewöhnt, die Autonomie, Phantasie, Neugierde, Eigeninitiative usw. einschränkt.
    Das wirkt sich natürlich auf das ganze Leben aus.

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